Prüfungstipp: So können Sie nonverbales Verhalten effektiv einsetzen

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Der Klassiker nonverbaler Kommunikation: Die Schülerin steht mit verschränkten Armen vor der Tafel. Von Selbstbewusstsein zeugt dies nicht.

In einer Prüfung geht es in erster Linie darum, das gelernte Fachwissen punktgenau abrufen zu können und die Inhalte gut verkaufen zu können. Bei der mündlichen Prüfung erfolgt das via Stimme, also ganz praktisch ausgedrückt: Der Prüfling gibt mündlich die Inhalte wieder, die er gelernt hat. Nonverbales Verhalten ist in diesem Fall das Pendant – also alles, was ohne Worte an Verhalten transportiert wird. Dazu zählen insbesondere Gestik und Mimik aber auch die Körperhaltung spielt eine wichtige Rolle.

Das nonverbale Verhalten wird oft als „Stiefkind“ in Kommunikationsprozessen tituliert. Warum? Weil es vermeintlich weniger Raum einnimmt, doch diese Annahme ist schlicht falsch. Knapp zehn Prozent der Kommunikationsleistung entfallen auf Sprache, Wortwahl und Grammatik. Die anderen 90 Prozent der Kommunikationen erfolgen nonverbal. In Anbetracht dieses Zahlenverhältnisses wird auch klar, dass unter „nonverbale Kommunikation“ weit mehr fällt als die eingangs erwähnten Punkte wie Gestik, Mimik und Körperhaltung. Auch der Blickkontakt, die Geschwindigkeit in der Bewegungen ausgeführt werden, der Geruch und sogar das Outfit gehören in die Sparte der nonverbalen Kommunikation.

Tipp: Wer sich zum Prüfungscoaching begibt, sollte diese Erkenntnisse im Hinterkopf behalten. Wird im Prüfungscoaching vermittelt, dass es in mündlichen Prüfungen, bei Präsentationen und bei Verhandlungen ausschließlich um die verbal ausgesprochenen Worte geht, der kann sich das Coaching auch sparen. Wichtig ist, ein Coaching zu besuchen, das auch den Tonfall der Stimme und die Körpersprache thematisiert. Psychologischen Studien zufolge wird darauf nämlich der Fokus gerichtet.

Diese Faktoren haben Einfluss auf die nonverbale Kommunikation

  1. Das Aussehen des Menschen (Größe, Gewicht, Haarfarbe, Augenfarbe, Hautfarbe, Muskulatur …) fällt als erstes in den Blick des Kommunikationspartners – und kann so einiges über diesen verraten. Große Menschen wirken mächtiger und stärker als kleine. Kleinen Menschen hingegen sagt man nach, häufig laut und poltrig zu agieren. Darüber hinaus entscheiden auch die Wahl der Kleidung sowie der Geruch des Menschen darüber, ob er im Kommunikationsprozess als angenehmer Kommunikationspartner wahrgenommen wird oder eben nicht.
  2. Gesichtsausdruck und Körperhaltung sind ebenfalls interpretationswürdig. So ist es kein Geheimnis, dass verschränkte Arme auf eine Abwehrhaltung hindeuten. Eine verkniffene Augenpartie kann ein aggressives oder gar hinterlistiges Verhalten andeuten. In diesem Zusammenhang ist auch die Distanz, die zwischen Menschen im Rahmen einer Kommunikation herrscht, spannend zu beobachten.
  3. Der Einrichtungsstil und auch die Beleuchtung von Räumen können darüber hinaus wahre Bände über einen Menschen sprechen. Und das bezieht sich im Übrigen nicht nur auf die Einrichtung im privaten Bereich, sondern auch im Beruflichen. Hat ein Chef oder Abteilungsleiter ein mit teuren Möbeln eingerichtetes Büro, in dem es an einer persönlichen Note mangelt und extrem dunkle oder sehr helle Möbel sich präsentieren, zeugt das von einer strengen Ader. Das Pendant: Bilder von der Familie auf dem Schreibtisch und eine Schale mit Studentenfutter zeugen davon, dass hier ein Mensch arbeitet.

Die Theorie: Wer sich für die nonverbale Kommunikation und die diesen zugrundeliegenden Theorien interessiert, dem sei die Lektüre von zwei älteren Kommunikationsansätzen (von Watzlawick und von Bühler) empfohlen oder die Zusammenführung der Theorien in den sogenannten „vier Seiten einer Nachricht“, die Friedemann Schulz von Thun näher beleuchtet. Demnach gibt es bei jeder Nachricht vier Seiten: den Inhalt, die Offenbarung, die Beziehung und den Appell.

Die Übersetzung: Nonverbales Verhalten in der mündlichen Prüfung

Ein Wort vorweg zum Inhalt: Natürlich zählt auch der Inhalt des gesprochenen Wortes, denn sonst wäre jegliche inhaltliche Vorbereitung auf eine mündliche Prüfung ja vergeudete Zeit. Und natürlich können auch hierbei Fehler begangen werden, wie beispielsweise

  • eine Frage gar nicht anstatt nur in Teilen zu beantworten
  • Fehler in der Argumentationskette zu machen
  • komplizierte Antworten auf einfache Fragen geben
  • keine Selektionsfähigkeit (was ist wichtig? was nicht?) zu besitzen
  • sich zu viele Gedanken darüber zu machen, was der Prüfer hören will.

Aber dieses Thema möchten wir an dieser Stelle damit auch auf sich beruhen lassen und im Folgenden einige Tipps geben, wie auch das vermeintlich unbeeinflussbare, nonverbale Verhalten sich positiv auf die Prüfung auswirken kann.

  • Souveränität auszudrücken ist das Ziel jeglicher Form von Kommunikation. Für die nonverbale Variante bedeutet das, dass das Verdrehen der Augen ebenso tabu ist wie Unsicherheiten zu zeigen.

    Lassen Sie sich von der Prüfungssituation nicht einschüchtern und fassen Sie klar die Inhalte zusammen, die sie zur Beantwortung der Frage benötigen. Strukturieren Sie die Antwort im Kopf. Äußern Sie Ihre Antwort laut und deutlich. Wer diese innerliche Abfolge nicht beherrscht (die übrigens trainierbar ist), der wird sich schnell verhaspeln, wird in Alltagssprache abdriften, unstrukturierte Gedanken von sich geben und zeigt damit dem Prüfer: Ich lasse mich von der angespannten Prüfungssituation leiten anstatt auf meine Fähigkeiten zu vertrauen.

  • Achtung Fangfrage. Merkt ein Prüfer, dass das Fachwissen sitzt, so stehen als nächstes die Fragen an, die eine gute bis sehr gute Note erbringen können – vorausgesetzt sie werden korrekt beantwortet. Hier gilt: In Maßen ist Mut zur intelligenten Auseinandersetzung Das heißt, dass trotz aller Fachkunde die Argumentationsweise locker bleiben soll. Im gesprochen Wort, der Tonalität und dem Ausdruck beim Sprechen sollte die Beantwortung der Fragen flexibel – und nicht wie ein einstudiertes Absondern von Fachinformationen wirken. Riskieren Sie ein Gespräch mit dem Prüfer. Bringen Sie Ihre eigene Meinung ein. Das zeigt dem Prüfer: Ich habe mich mit dem Inhalt beschäftigt und so auseinandergesetzt, dass ich die gelernte Theorie auch abstrahieren kann. Das könnte man im Übrigen als „intellektuelles Selbstbewusstsein“ titulieren.
  • Türe auf. Freundliche Begrüßung. Das muss die Einleitung jeder mündlichen Prüfung sein. Je nachdem ob der Prüfling sitzt oder steht, gilt es nun buchstäblich beide Beine auf den Boden zu stellen – das wirkt selbstbewusster als nervöses Tänzeln. Vorteilhaft ist, etwas in Händen zu halten – also beispielsweise den Stift, um am Whiteboard etwas aufzeichnen zu können. Das verhindert das nervöse Fingerknubbeln und die verschränkte Armhaltung. Ein wacher Blick ist darüber hinaus nötig, um bei der Prüfungskommission auch bei der nonverbalen Kommunikation einen guten Eindruck zu hinterlassen.
  • Und natürlich gelten die grundsätzlichen Regeln, die auch im normalen Alltag gelten, auch in einer mündlichen Prüfung: Frisch geduscht, ordentlich frisiert und sauber gekleidet treten Prüflinge vor die Prüfungskommission. Das bewirkt nicht nur, dass das eigene Selbstbewusstsein gestärkt wird, sondern auch, dass der Prüfer einen positiven Gesamteindruck hat.

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