Tipp: So sprechen Sie effektiv bei einer mündlichen Prüfung

pruefungsfragen

Bei der mündlichen Prüfung zählt, was und wie gesprochen wird.

Sie fragen sich, was Effektivität mit Sprache und noch dazu mit einer mündlichen Prüfung zu tun hat? Ganz einfach: Das gesprochene Wort bei einer mündlichen Prüfung muss inhaltlich wertig sein und darüber hinaus noch in punkto Tonalität, Geschwindigkeit und Lautstärke stimmen, um auch anzukommen. Warum? Weil es nur dann den Rezipienten – und in diesem Fall den Prüfer – erreicht. Grund genug, dem Thema „wie Sie effektiv bei der mündlichen Prüfung reden sollten“ diesen Beitrag zu widmen.

Das Sender-Empfänger-Kommunikationsmodell nach Stuart Hall

Die Grundlage mündlicher Kommunikation basiert immer darauf, dass Worte von einem Kommunikationsteilnehmer ausgesprochen werden und von einem zweiten Kommunikationspartner aufgenommen und auch verstanden werden müssen. Theoretisch begründet hat dieses sogenannte Sender-Empfänger-Modell Stuart Hall, der den ersten Kommunikationspartner zum Sender macht und den zweiten Kommunikationspartner als Empfänger deklariert. Damit sich allerdings die Kommunikationskreise so überschneiden, dass ein gegenseitiges Verständnis eintritt, muss die sogenannte Codierung (bzw. Decodierung) erfolgen. Und dafür ist ein gemeinsamer Code nötig. Übersetzt bedeutet das: Wenn Sie in einer Anglistik-Prüfung spanisch sprechen, gibt es ein ganz offensichtliches Sender-Empfänger-Problem.

In der tagtäglichen Kommunikation sind verständliche Codes angenehm, denn sie erfordern keinen zusätzlichen Übersetzungs- bzw. Interpretationsaufwand. In einer Prüfung aber sind gemeinsame Codes nötig, damit Sie diese Prüfung auch bestehen können, schließlich möchten Sie dem Prüfer keine neuen Rätsel aufgeben, sondern die gestellten Fragen zielgerichtet beantworten.

Diese fünf Tipps helfen, um in einer Prüfungssituation effektiv zu kommunizieren

  1. Spielen Sie mit offenen Karten.

    Verstehen Sie eine Ihnen gestellte Frage beispielsweise nicht auf Anhieb, so ist es sinnvoller, sich kurz per Nachfrage zu vergewissern, was genau gemeint ist, anstatt zu raten und womöglich falsch zu liegen. Nachfragen werden Prüflingen nicht negativ ausgelegt – falsche Antworten hingegen schon.

  2. Antworten Sie strukturiert.

    Neben den inhaltlichen Fakten, die Sie nach einer guten Prüfungsvorbereitung in der Regel beherrschen, ist es auch wichtig, diese punktgenau zu Antworten zu formulieren. Dabei ist die Struktur der Antwort besonders wichtig. Wird Ihnen eine Meinungsfrage gestellt, achten Sie darauf mit einer klassischen These-Argument-Fazit-Antwort zu reagieren. Werden Sie nach der Definition von Fachbegriffen gefragt, sollten Sie zunächst diese erläutern und Ihre Antwort dann gegebenenfalls noch auf die Beleuchtung wichtiger Vertreter dieser Thematik ausweiten. Aber Achtung: Wer mehr antwortet, als gefragt wird, muss die Prüfer genau im Auge behalten, denn während die einen diese Form der Antwort als Engagement deuten, halten andere Prüfer weiterführende Erläuterungen schnell für eine Themaverfehlung. Der Ausweg: Fragen Sie nach, ob Sie nach der Definition noch auf Theorien dazu eingehen sollen.

  3. Sprechen Sie laut, deutlich und langsam.

    Passen Sie die Lautstärke Ihrer Stimme den Örtlichkeiten und der Distanz zum Prüfer an.

    Nuschelndes Flüstern ist ebenso wenig zielführend wie die gefragten Inhalte einfach nur herunterzurattern. Vielleicht hilft Ihnen dieser Gedanke: Stellen Sie sich vor, Sie berichten dem Prüfer von einer für ihn gänzlich neuen Tatsache und werden nicht danach bewertet, was sie sagen, sondern danach, was ihr Prüfer danach von Ihrem Vortrag behalten hat. Um den Prüfer mit Ihren Worten zu erreichen, müssen Sie in einem gemäßigten Tempo sprechen, das zum Zuhören und nicht zum Einschlafen motiviert. Eine deutliche Aussprache und eine angenehme Lautstärke verhindern, dass der Prüfer nachfragen muss, denn das verunsichert Sie in der ohnehin angespannten Prüfungssituation nur zusätzlich.

  4. Individuelle Highlights setzen.

    Wer den Prüfungsstoff so gut beherrscht, dass er sich inhaltlich nicht sorgen muss, kann sich voll und ganz auf die Art der Präsentation konzentrieren. Und hier gilt: Wer Höhepunkte einbaut, wird den Prüfer auch fesseln. Betonungen müssen natürlich an der richtigen Stelle gesetzt werden, doch kann können Sie auch bei einem Prüfer, der das Thema bereits zum 138. Mal prüft, noch einen „aha“-Effekt hervorrufen, der sich sicherlich positiv auf die Note auswirken wird.

  5. Auf Authentizität setzen.

    Ja, richtig, meist postulieren Ratgeber, auf Biegen und Brechen Hochdeutsch zu sprechen und das Gestikulieren sein zu lassen. Das ist im Grunde genommen auch richtig. Handelt es sich aber um einen Prüfer, der Sie bereits aus dem Unterricht kennt und weiß, dass Sie im gemäßigten bayerischen Dialekt sprechen und ein derart empathischer Redner sind, dass auch die Arme mit gestikulieren müssen, um den verbal gespannten Spannungsbogen noch zu unterstützen, dann sollten Sie sich nicht verstellen. Wer authentisch ist, hilft sich selbst, entspannt in eine Prüfung zu gehen. Und das hilft letztlich auch dem Prüfer.

Nice-to-have: das passende Drumherum

Auf der Prioritätenliste des imaginären Gepäckstücks, das Sie zur Prüfung mitbringen müssen, steht natürlich der Lernstoff auf Platz 1. Auf Platz 2 stehen die fünf soeben beschriebenen „how-to“-Tipps und auf Platz 3 steht das Gesamtpaket, wie Sie auftreten und das bedeutet: Wer ordentlich gekleidet zur mündlichen Prüfung kommt, hilft sich selbst dabei, den verbal perfekt präsentierten Lernstoff auch noch auf den ersten Blick positiv zu unterstützen.

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