Die Lernphasen der Prüfungsvorbereitung: die Reproduktion üben

Das Reproduzieren ist im Grunde der Testlauf vor der Prüfung. In dieser Definition ist die Reproduktion ähnlich wie eine Generalprobe.

„Ich lerne auf die Prüfung“ ist wohl einer der ungenauesten Sätze, den es im Rahmen der Prüfungsvorbereitung gibt. Denn damit ist nur klar, dass eine Prüfung ansteht, völlig unklar jedoch ist, in welcher Prüfungsvorbereitungsphase der Prüfling sich gerade befindet. Strukturiert er noch die Lerninhalte und erstellt eine Verlaufsplanung? Ist er bereits damit beschäftigt, die Inhalte zu exzerpieren? Oder ist er schon in der Phase, die durch Üben und Reproduzieren gekennzeichnet ist? Betrachten wir zunächst einmal kurz die verschiedenen Phasen im Überblick, bevor es im Detail um das Reproduzieren des Inhaltes geht.

Detail um das Reproduzieren des Inhaltes geht.

1.Zeitmanagement, Arbeitseinteilung, VerlaufsplanungDie grundlegende Frage ist: Wie viel Zeit steht zur Verfügung? In diesen Zeitraum müssen dann die Inhalte ordentlich eingeplant werden, so dass jedes Prüfungsthema auch behandelt wird.
2.Exzerpieren, Austausch in Lerngruppen, Aneignung des LernstoffesDiese Phase kann sehr individuell gestaltet sein, denn hier gilt es, das persönlich effektivste Lernverhalten in die Tat umzusetzen. Während einige in der Struktur einer Arbeitsgruppe gut lernen, haben andere das Exzerpieren, Mindmapen und das Lernen via Karteikarten für sich entdeckt. Rein psychologisch betrachtet werden hier verschiedene Lernvarianten angewandt, wie z.B.

  • Klassische Konditionierung nach Pawlow
  • Operante Konditionierung nach Skinner
  • Beobachtungslernen nach Bandura
  • Implizites Lernen nach Reber
3.Üben und WiederholenNur die wenigsten sind mit der Gabe gesegnet, einmal etwas zu lesen und es dann langfristig behalten zu können. Deswegen muss in der Regel jeder Prüfling eine Phase des Übens und Wiederholens durchlaufen. Dabei kommt es letztlich auch auf das jeweilige Fach an: In Mathematik und Physik, aber auch beim Jura-Studium muss geübt werden. Wer hingegen Geschichte studiert, muss eher die erlernten Fakten und Zusammenhänge wiederholen können.
4.ReproduktionAuch die Reproduktion der Fakten ist einerseits vom Fach und den Inhalten, andererseits aber auch von der Prüfungssituation abhängig. Welche Möglichkeiten es gibt, soll im Folgenden explizit erläutert werden.

 Zielgenaue Prüfungsvorbereitung = das Einüben der Reproduktion

Um sich Inhalte langfristig merken zu können, müssen diese ins Langzeitgedächtnis wandern.

Beginnen wir mit der kleinsten Variante der Prüfung. Der Vorbereitung auf eine mündliche Abfrage im Rahmen des Unterrichts. Um sich darauf vorzubereiten, ist es wichtig, das dabei anstehende Frage-Antwort-Spiel zu beherrschen. Wer sich also auf den nächsten Unterrichtstag vorbereitet, hat ein vergleichsweise kleines Inhaltspensum. Beim Lernen sollten bereits Fragen an den Stoff kreiert und notiert werden. Wer nun den in der letzten Stunde besprochenen Inhalt erfasst hat, muss sich daran machen, die notierten Aufgaben zu lösen. Die hochwertigste Variante ist dabei, zunächst alle Fragen schriftlich zu beantworten und anschließend diese Antworten mündlich solange zu rezitieren, bis der Inhalt sitzt.

Ähnlich kann die Prüfungsvorbereitung ablaufen, wenn es sich um eine Stehgreifaufgabe oder um eine Schulaufgabe in der Schule handelt. Nur wird der Unterrichtsstoff (zumindest für die Schulaufgabe) entsprechend höher ausfallen. Da es sich bei dieser Variante in jedem Fall um eine schriftliche Prüfung handelt, macht es auch Sinn, die Antworten zunächst einmal schriftlich auszuarbeiten und diese Ausarbeitungen dann zu lernen.

Aber Achtung: Das funktioniert nicht in allen Fächern. Bei Lernfächern ist das eine gute Möglichkeit, bei Transfer- oder Übungsfächern allerdings nicht. So muss in Mathematik beispielsweise die Anwendung der neuen Formel trainiert werden. Dazu gibt es sowohl Übungsbücher als auch Online-Foren, die entsprechende Aufgaben zur Verfügung stellen.

Eine Zwischenprüfung oder eine Universitätsklausur bilden die nächsthöhere Lernstufe und erfordern zunächst einmal mehr Zeit, weil mehr Prüfungsinhalte auf der Prüfungsliste stehen. Das heißt auch, dass entsprechend mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitung einkalkuliert werden muss – und, dass auch die gewissenhafte Einübung der Reproduktion länger dauern wird. Die Übungsphase in Fächern wie Mathematik oder die Einübung der schriftlichen Reproduktion mittels schriftlicher Ausarbeitung ist auch hier die gängigste Variante der Reproduktion der Prüfungsergebnisse.

Formen des Gedächtnisses

Psychologisch und damit auch ein Stück weit wissenschaftlich betrachtet gibt es drei Gedächtnisvarianten, in denen das Gelernte gespeichert werden kann:

  1. das Ultra-Kurzzeitgedächtnis. Dabei handelt sich um einen Informationsspeicher, der zwar sehr umfangreich ist, aber auch nur eine Speicherzeit von 100 bis 400 msek hat.
  2. das Kurzzeitgedächtnis. Dieses kann nur fünf bis sieben Einheiten speichern und hat ebenso nur eine Speicherzeit von wenigen Sekunden.
  3. das Langzeitgedächtnis. Der Inhalt, der ins Langzeitgedächtnis fließt, ist auch enorm lang dort verfügbar. Zudem ist das Platzangebot für Inhalte reichlich.

Der Weg der Inhalte stoppt quasi in irgendeiner der drei angeführten Schubladen. Das heißt, dass nach dem sogenannten „Encoding“ der Inhalt ins Arbeitsgedächtnis transferiert wird und nur durch ein prozedurales oder deklaratives Lernverhalten ins Langzeit-Gedächtnis überführt werden kann. Was folgt ist die sogenannte „Performance“, die den Gegenpol des „Encodings“ bildet und sich wieder der Außenwelt zuwendet.

Spannend ist in diesem Zusammenhang die Frage, wie Aspekte der Außenwelt abgebildet werden. Das hängt immer auch vom jeweiligen Lerntyp ab. Räumliche Bilder, abstrakte Propositionen und zeitliche Abfolgen spielen hier eine Rolle. Wer sich selbst bzw. das angeeignete Wissen auf den Prüfstand stellen will, benutzt dazu die Reproduktion („Recall“) oder das Wiedererkennen („Recognition“). Dabei kann ein Bezug einer im Vorfeld bereits behandelten Aufgabe hergestellt werden oder eben nicht. Ohne Bezug spricht man von „indirektem“ Prüfverfahren, dass bei Fakten-Wissen, Prozeduralem Wissen, Evaluativen Urteilen und anderen psychologischen Gegebenheiten greift. Ganz grundsätzlich können Inhalte akustisch, haptisch oder visuell erfasst werden.

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