Prüfungsvorbereitung – Formen des Lernens

Lernformen können sich im Laufe des Lebens ändern. Mit zunehmendem Alter steigen die Anforderungen an eine selbstständige Lernweise.

Das Resultat einer effektiven Prüfungsvorbereitung steht und fällt mit den Formen des Lernens. Die praktische Frage, die dahinter steckt, ist also: Wie kann ich mir Wissen so aneignen, dass ich es zum Zeitpunkt X – also zum Prüfungszeitpunkt – auch sicher abrufen kann? Die Psychologie unterscheidet vier ganz grundsätzliche Lernarten.

  1. Die Habituation (Gewöhnung). Diese Lernart baut darauf auf, dass der Mensch sinnlose Reize zu vermeiden lernt, um eine Reizüberflutung auszuschließen. Die Habituation läuft unbewusst ab und lässt sich in aller Regel nicht steuern.
  2. Die Klassische Konditionierung. Darunter versteht man das Wissen, dass nach einem Reiz ein anderer folgt. Ziel der Klassischen Konditionierung ist es, sich auf den zweiten Reiz vorbereiten zu können. Auch die Klassische Konditionierung läuft – ebenso wie die Habituation – automatisch ab.
  3. Die Operative Konditionierung. Hinter dieser Lernart versteckt sich das Lernen, dass eine Konsequenz die logische Folge einer Aktion ist. Auf der Operativen Konditionierung beruhen alle Handlungen, die nicht instinktiv geleitet sind. Wirkt eine Aktion und eine daraus resultierende Konsequenz motivierend, so kann dies zur Motivationssteigerung genutzt und regelmäßig wiederholt werden.
  4. Das Komplexe Lernen. Bei dieser Lernart spielt erstmals Strategie eine Rolle, d.h. das damit das Lernen beschrieben wird, das über das bloße Bilden von Assoziationen hinausgeht. Ziel ist ein Abstraktionsprozess, der deduktiv (vom Speziellen zum Allgemeinen) oder induktiv (vom Allgemeine zum Speziellen) erfolgt.

Nach dieser wissenschaftlichen Annäherung an das Thema Lernen als Prüfungsvorbereitung, soll nun die Praxis in den Fokus rücken. Dabei heißt die Leitfrage:

Welche Formen des Lernen gibt es und für wen sind diese geeignet?

Das beste Beispiel für rezeptorisches Lernen ist der Besuch einer Vorlesung.
Das beste Beispiel für rezeptorisches Lernen ist der Besuch einer Vorlesung.
LernformDefinition der Lernformgeeignet für …
Formelles LernenDas formelle Lernen wird in Bildungszentren und Schulen umgesetzt. Vermittelt werden die im Lehrplan festgelegten Inhalte, die auf ein bestimmtes Ergebnis abzielen. Begleitet wird dieser Lernprozess von pädagogischen Fachkräften. Theoriewissen steht dabei im Vordergrund. Die Sozial- und Personalkompetenz bleibt so allerdings manchmal auf der Strecke.Formelles Lernen ist geeignet für diejenigen, die Struktur brauchen, um Erfolg zu produzieren. Motivation und Selbstdisziplin sind dabei weniger erforderlich, weil der Weg exakt vorgezeichnet ist.
Informelles Lernen Das informelle Lernen ist zufällig und unsystematisch. Ein festgelegtes Ergebnis wird nicht angestrebt, vielmehr liegt der Fokus auf beiläufigem Lernen und dem Erfahrungserwerb. Bei dieser Form des Lernens treffen Reflexion und Moderation aufeinander. Der Vorteil liegt darin, dass sowohl Fachkenntnisse als auch die Sozial- und Personalkompetenz erworben wird.Liegt der Fokus des informellen Lernens auf der reflexiven Form, eignen sich Coaching-Programme für Menschen mit Selbstdisziplin und eigener Motivation.
Rezeptorisches LernenWie der Name schon vermuten lässt, ist das rezeptorische Lernverfahren an die menschlichen Rezeptoren adressiert. Diese Form des Lernens erfordert einen aktiven und einen passiven Part. Während der aktive Part lehrt, rezipiert der passive Teil.In einer Vorlesung zu notieren, was der Dozent sagt, ist ebenso rezeptorisches Lernen wie einem Referat zu lauschen und daraus Inhalte mitzunehmen.
Autonomes LernenAutonomes Lernen rückt das lernende Individuum in den Fokus: Individuell erfolgt die Definition der Lernziel, individuell erfolgt die Auswahl der Methoden.Wer ein „alter Hase“ in punkto Lernen ist, kommt mit dieser Lernform sicherlich prima zurecht. Wer Anleitung und Struktur braucht, kann hierbei schnell scheitern.
Forschende LehreBesonders an Universitäten ist diese Lernvariante zu finden. Es erinnert ein wenig an das „learning-by-doing“-Konzept, denn auf Basis aktueller Forschungen werden neue Entwicklungen abgeleitet oder neue Forschungen initiiert. So wird ein Thema empirisch erschlossen.Die forschende Lehre bietet sich schlicht nicht für alle Themen an, denn manche Fachinhalte muss man einfach auswendig lernen. Wo es sich anbietet, hilft es denjenigen, die sehr praxisorientiert sind.
Anwendungsorientiertes LernenWenn ein Thema nicht „erforscht“ werden kann wie im Rahmen der „forschenden Lehre“, so kann es eingeübt – und damit anwendungsorientiert – erschlossen werden.Üben ist für alle Lernenden wichtig, denn kein Fachbereich lässt sich auf bloßes Faktenwissen zustutzen.
Erlernen von SchlüsselkompetenzenSchlüsselkompetenzen sind Kommunikations- und Präsentationsfähigkeit, Projektmanagement und beispielsweise Teamarbeit. Das Erlernen von Schlüsselkompetenzen kann im Rahmen der Aus- oder Weiterbildung erfolgen, aber auch durch spezielle Schulungen ermöglicht werden.Schlüsselkompetenzen sind grundsätzlich für alle Lernenden wichtig, allerdings ist hier der Zeitpunkt entscheidend. Sie werden meist als Zwischenepisode in den Lernalltag integriert oder am Ende einer Ausbildung noch einmal geschärft.
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Praxisbericht: Diese Lernformen nutzt Julia zur Prüfungsvorbereitung

„Ich habe mir leider eingestehen müssen, dass ich nach circa 45 Minuten intensivem Lernens gedanklich abschweife. Was ich danach lerne, kann ich nicht behalten. Also kreiere ich für jede Prüfung verschiedene Lernstationen, die mir einen Wechsel der Lernsituation nach 45 Minuten pauken ermöglichen. Zunächst fasse ich die Lerninhalte auf noch vergleichsweise umfangreichen Karteikarten zusammen, anschließend werden diese Karteikarten auf Mindmaps zusammengeschrumpft um letztlich nur noch ein Klebezettel an meinem Kühlschrank, meinen Kleiderschrank oder am Badezimmerspiegel zu sein. So kann ich alle 45 Minuten zwischen Zusammenfassen, rezitieren, Mindmapen und dem Anbringen von Klebezetteln switchen. Wenn auch diese Lernmöglichkeiten erschöpft sind, suche ich den Austausch – entweder direkt mit Kommilitonen oder via Social Media. Dabei achte ich darauf, nur in Fachforen unterwegs zu sein. So kann ich mich dann über gegebenenfalls noch unklare Inhalte austauschen und mache wieder etwas anders – für exakt 45 Minuten.“

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