Aktualisiert am 23. September 2026 von Redaktion
Das Kürzel IK steht für Industriekaufleute und bezeichnet eine Berufsgruppe, die in verschiedensten Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche tätig ist und in erster Linie kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Abläufe steuert. So gehört beispielsweise in der Materialwirtschaft zu ihrem Aufgabenbereich, Angebote zu vergleichen, mit Lieferanten zu verhandeln oder die Annahme und Lagerung von Waren zu betreuen. In der Produktionswirtschaft sind sie für die Planung, Steuerung und Überwachung der Herstellung von Waren oder der Erbringung von Dienstleistungen sowie für das Erstellen von Auftragsbegleitpapieren zuständig.
Sind sie im Verkauf und Vertrieb tätig, erarbeiten sie Kalkulationen und Preislisten, führen Verkaufsverhandlungen mit den Kunden und erstellen Konzepte für gezielte Marketingstrategien. Im Bereich Rechnungs- und Finanzwesen fallen Tätigkeiten wie die Bearbeitung, die Buchung und die Kontrolle von Vorgängen im Geschäftsverkehr in ihren Zuständigkeitsbereich und im Bereich Personalwesen sind sie an der Ermittlung des Personalbedarfs, der Personalbeschaffung, der Auswahl von Personal und der Planung des Personaleinsatzes beteiligt.
Die Ausbildung, die bundesweit geregelt ist, dauert drei Jahre und wird von der Industrie und dem Handwerk sowie auch als schulische Ausbildung angeboten. Sie endet mit einer Abschlussprüfung, die von den Industrie- und Handwerkskammern abgenommen wird.
Die Abschlussprüfung umfasst vier Prüfungsbereiche
Im Rahmen der Abschlussprüfung wird seit der Neuordnung zum 1. August 2024 (Industriekaufleuteausbildungsverordnung vom 12. März 2024) in zwei Teilen geprüft. Teil 1 im vierten Ausbildungshalbjahr umfasst den schriftlichen Prüfungsbereich „Leistungserstellung, Logistik, Beschaffung und Buchhaltung“ (25 Prozent). In Teil 2 werden die Prüfungsbereiche „Marketing, Vertrieb, Personalwesen und kaufmännische Steuerung und Kontrolle“ (35 Prozent) sowie Wirtschafts- und Sozialkunde (10 Prozent) schriftlich geprüft, der Prüfungsbereich „Fachaufgabe im Einsatzgebiet“ (30 Prozent) findet als mündlicher Prüfungsteil statt.
- Der erste Prüfungsteil (Teil 1) behandelt Leistungserstellung, Logistik, Beschaffung und Buchhaltung. Die Prüfungszeit beträgt 90 Minuten.
- Der Prüfungsbereich „Marketing, Vertrieb, Personalwesen und kaufmännische Steuerung und Kontrolle“ behandelt neben Marketing, Vertrieb und Personalwesen Fragen hinsichtlich der Abrechnung von Leistungen, dem Controlling, der Erfassung von Kosten, der Beurteilung von Geld- und Wertströmen sowie der Betriebswirtschaft im Allgemeinen. Die Prüfungszeit beträgt 150 Minuten.
- Die Wirtschafts- und Sozialkunde, für die eine Prüfungsdauer von höchstens 60 Minuten vorgesehen ist, überprüft das Wissen in Bezug auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge der Berufs- und Arbeitswelt. Das bedeutet, die Prüfungsfragen behandeln beispielsweise das Wirtschaftsrecht, Vertrags- und Unternehmensformen, arbeitsrechtliche Inhalte oder gesellschaftspolitische Gesichtspunkte.
Im Anschluss an die schriftliche Prüfung folgt der mündliche Prüfungsteil. Inhalt dieses Prüfungsteils ist eine Fachaufgabe, die der Prüfling selbstständig durchführt und anhand der er unter Beweis stellen kann, dass er nicht nur über theoretisches Wissen verfügt, sondern auch in der Lage ist, komplexe Fachaufgaben, mit denen sich Industriekaufleute typischerweise konfrontiert sehen, in der Praxis zu lösen. Die Durchführung der Fachaufgabe wird dabei in einer Dokumentation festgehalten, die zusammen mit der Präsentation die Grundlage des Fachgesprächs bildet. Nach der Verordnung von 2024 werden die Dokumentation mit 10 Prozent, die Präsentation mit 20 Prozent und das fallbezogene Fachgespräch mit 70 Prozent gewichtet.
Im Rahmen der Präsentation referiert der Prüfling über seine Fachaufgabe, die Prüfer fungieren zunächst als Zuhörer. Im Anschluss an den Vortrag findet ein Fachgespräch statt, das schwerpunktmäßig die Fachaufgabe und die Präsentation thematisiert, allerdings auch weiterführende Fragen beinhalten kann. Präsentation und Fachgespräch dauern zusammen 30 Minuten.
10 Beispielfragen zur Abschlussprüfung IK
1. Wie definieren sich der kalkulatorische und der pagatorische Gewinn?
a) Kalkulatorischer Gewinn = Ertrag – Aufwand; Pagatorischer Gewinn = Leistung – Kosten
b) Kalkulatorischer Gewinn = Leistung – Kosten; Pagatorischer Gewinn = Ertrag – Aufwand
c) Kalkulatorischer Gewinn = Ertrag – Kosten; Pagatorischer Gewinn = Leistung – Aufwand
d) Kalkulatorischer Gewinn = Leistung – Aufwand; Pagatorischer Gewinn = Ertrag – Kosten
2. Wie werden meist wachsende Technologien bezeichnet, deren Know-how eine Schlüsselfunktion für die Teilnahme und den Erfolg im Wettbewerb darstellt?
a) Basistechnologien
b) Schrittmachertechnologien
c) Schlüsseltechnologien
d) Entstehende Technologien
3. Bei welcher der genannten Unternehmensformen handelt es sich um eine juristische Person des Privatrechts?
a) GmbH & Co. OHG
b) GmbH & Co. KG
c) Stiftung & Co. KG
d) GmbH & Co. KGaA
4. Wobei handelt es sich im Zusammenhang mit E-Commerce um C2A?
a) Verbraucher an Unternehmen
b) Unternehmen an Unternehmen
c) Unternehmen an Regierung
d) Verbraucher an Regierung
5. Wobei handelt es sich um ein qualitatives Verfahren bei der Lieferantenbewertung?
a) Kosten-Entscheidungsanalyse
b) Bilanzanalyse
c) Preis-Entscheidungsanalyse
d) Nutzwertanalyse
6. Wie wird eine Investition bezeichnet, die dazu dient, Investitionsgüter zu ersetzen, die sich im Produktionsprozess abnutzen?
a) Bruttoinvestition
b) Ersatzinvestition
c) Reininvestition
d) Rationalisierungsinvestition
7. Ein Unternehmen lagert Waren im Wert von 5000 Euro, der Lagerzinssatz liegt für 150 Tage bei 3,5%. Wie viel Zins entgeht dem Unternehmen während dieser Lagerdauer?
a) 175 Euro
b) 200 Euro
c) 225 Euro
d) 250 Euro
8. Welche Aussage zum Reinvermögen eines Unternehmens aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist so nicht richtig?
a) Das Reinvermögen ist die Summe aller Aktiva abzüglich des Fremdkapitals.
b) Gewinne erhöhen das Reinvermögen.
c) Auf Basis von bilanziellen Größen sind Reinvermögen und Eigenkapital nicht gleich groß.
d) Verluste senken das Reinvermögen.
9. Ein Unternehmen kauft zunächst eine kleine Menge einer Ware, um sie zu testen, und stellt bei Zufriedenheit eine größere Bestellung in Aussicht. Worum handelt es sich bei diesem ersten Kauf?
a) Kauf auf Probe
b) Kauf zur Probe
c) Kauf nach Probe
d) Spezifikationskauf
10. Welche Aussage zu den Vorteilen von Wandelanleihen für den Emittenten ist falsch?
a) Durch das Umtauschrecht erhöht sich der Ankaufsreiz für Anleger.
b) Fremdkapital wird zu Eigenkapital, weil nur der nicht umgetauschte Teil getilgt werden muss.
c) Der zu versteuernde Gewinn wird durch die Zinsen gemindert.
d) Das Ausmaß der Kapitalerhöhung kann sicher bestimmt werden.
Antworten:
1. b
2. c
3. d
4. d
5. d
6. b
7. a
8. c
9. b
10. d
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Herausgeberin
Selda Bekar
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