Prüfungsfragen Reitabzeichen: Die wichtigsten Fragen

Infos zu Prüfungsfragen Reitabzeichen
Neben praktischen Aufgaben beantworten Sie auch Prüfungsfragen beim Reitabzeichen.

Wenn Sie das Reiten als Hobby für sich entdeckt haben, werden Sie vielleicht auch über ein Reitabzeichen nachdenken. Schließlich können Sie damit unter Beweis stellen, dass Sie fest im Sattel sitzen und den richtigen Umgang mit einem Pferd beherrschen. Das wiederum kommt nicht nur Ihnen selbst, sondern natürlich auch Ihrem Pferd zugute.

Nur: Welche Reitabzeichen gibt es eigentlich? Wo und wie können Sie ein Abzeichen erwerben? Und wie sehen die Prüfungsfragen beim Reitabzeichen aus? Das und mehr erfahren Sie in diesem Beitrag!

Als Reiter haben Sie nie ausgelernt. Vielmehr entwickeln Sie sich ständig weiter und lernen immer wieder Neues dazu. Folglich freuen Sie sich über jeden Fortschritt, der Ihr Können verbessert, und jeden Erfolg, der Ihre Fähigkeiten unterstreicht. Noch schöner ist es natürlich, wenn objektive Fachleute Ihre reiterlichen Fertigkeiten offiziell bestätigen.

Genau an diesem Punkt setzen die Reitabzeichen an. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hält über 50 verschiedene Abzeichen bereit. So können Sie genau das Abzeichen ablegen, das optimal zu Ihren Interessen und Ihrem Können passt. Andererseits ist es bei der Vielzahl an deutschen Reitabzeichen gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Wir haben deshalb die wichtigsten Fragen und Antworten dazu für Sie zusammengestellt.

Welche Reitabzeichen gibt es?

Vor einiger Zeit, nämlich im Jahr 2014, hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung Ihre Ausbildungs- und Prüfungs-Ordnung (APO) überarbeitet. Gleichzeitig wurde mit der APO 2014 auch das System der Reitabzeichen neu strukturiert.

Mit dem Motto “Reiten lernen in kleinen Schritten” als Grundgedanke gibt es seitdem zehn Reitabzeichen, die aufeinander aufbauen. Sie begleiten dadurch die gesamte reiterliche Karriere vom Anfänger bis zum erfahrenen Reitsportler. Ergänzt werden diese Reitabzeichen durch spezielle Abzeichen in Bereichen wie Longieren, Fahren, Voltigieren oder Westernreiten.

Die Reitabzeichen 10 bis 1

Die Reitabzeichen der Stufen 10 bis 1 ersetzen die früheren Reitabzeichen. Gleichzeitig wurden ein paar Zwischenstufen eingefügt, um so die teils großen Sprünge zwischen den alten Abzeichen zu überbrücken.

Die Idee hinter dem zehnstufigen Aufbau ist, die Ausbildung von Pferd und Reiter in sinnvolle Abschnitte aufzuteilen. Gleichzeitig können Sie sich dadurch kleinere Ziele setzen, die Sie motiviert angehen und nach und nach erreichen können.

Die Stufen 10 bis 6

Das erste und einfachste Abzeichen ist das Reitabzeichen 10 (RA 10). Da es sich für Anfänger und Einsteiger eignet, sind die Anforderungen noch nicht so hoch. Für das Abzeichen müssen Sie im Schritt und im Trab an der Longe oder am Führzügel reiten. Außerdem sollten Sie in der Pferdepflege Bescheid wissen, beim Satteln und Zäumen mithelfen können und erste Grundlagen der Bodenarbeit beherrschen.

Die nächste Stufe ist das Reitabzeichen 9 (RA 9). Hierfür müssen Sie ohne Longe oder Führzügel reiten können. Außerdem wird überprüft, ob Sie sich in der Pferdepflege auskennen und ein Pferd für den Ausritt vorbereiten können. Ihr Wissen in Sachen Pferdeverhalten und Bodenarbeit steht ebenfalls auf dem Prüfstand.

Beim Reitabzeichen 8 (RA 8) kommen Elemente aus der Dressur und das Reiten im leichten Sitz als neue Herausforderungen dazu. So stellen Sie Ihr Pferd dem Prüfer ohne Bügel mindestens im Schritt vor und absolvieren eine Geschicklichkeitsaufgabe. Außerdem stellen Sie Ihr Wissen zu Pferderassen, Farben, dem Körperbau sowie zu Sitzformen, Hufschlagfiguren und der Bahnordnung unter Beweis. Die Bodenarbeit ist ebenfalls Thema.

Das Reitabzeichen 7 (RA 7) bekommen Sie, wenn Sie im leichten Sitz und über Bodenricks reiten können. Außerdem steht eine Dressuraufgabe an. Neben der Bodenarbeit sind das Abteilungsreiten, die Gangarten und die Hufschlagfiguren Prüfungsthemen. Und Sie beantworten Fragen zur Sicherheit beim Reiten und ethischen Grundsätzen.

Für das Reitabzeichen 6 (RA 6) absolvieren Sie erste niedrige Sprünge und eine Dressuraufgabe. Dazu kommen die Stationsprüfungen, bei denen es um Pferdehaltung, Fütterung, Pferdegesundheit und die Bodenarbeit mit einer Dreiecksvorführung geht.

Die Voraussetzungen für die Abzeichen 10 bis 6

Die Reitabzeichen RA 10 bis RA 6 sind das, was früher die Motivationsabzeichen waren. Sie sind alle freiwillig.
An den Prüfungen darf jeder Reiter teilnehmen, eine Altersbeschränkung gibt es nicht. Zuvor müssen Sie lediglich an einem entsprechenden Vorbereitungslehrgang teilgenommen haben. Die Mitgliedschaft in einem Reitverein ist nicht notwendig.

Eine vorgeschriebene Reihenfolge gibt es in den Stufen 10 bis 6 nicht. Sie müssen also nicht unbedingt mit RA 10 beginnen, sondern können auch mit einem anderen Abzeichen einsteigen. Genauso können Sie zum Beispiel erst das RA 7 und danach das RA 9 machen.

Bei der Prüfung werden Ihre Kenntnisse im Umgang mit dem Pferd und Ihr Wissen über das Pferd bewertet. Außerdem fließt in die Beurteilung ein, ob Sie richtig auf dem Pferd sitzen und die Übungen gut meistern.

Noten gibt es bei diesen Reitabzeichen nicht. Stattdessen lautet das Ergebnis entweder „bestanden“ oder „nicht bestanden“. Sollten Sie durchgefallen sein, können Sie die Prüfung beliebig oft wiederholen. Fristen müssen Sie dabei nicht abwarten. Stattdessen können Sie direkt am nächsten Prüfungstermin wieder teilnehmen.

Die Stufen 5 bis 1

Die Reitabzeichen 5 bis 1 ersetzen die früheren Leistungsabzeichen. Sie sind für Reiter gedacht, die schon Übung haben. Außerdem brauchen Sie diese Reitabzeichen, wenn Sie an Turnieren teilnehmen möchten.

Für das Reitabzeichen 5 müssen Sie

  • Mitglied in einem Reitverein sein,
  • die Reitabzeichen 7 und 6 oder den Basispass Pferdekunde besitzen,
  • an einem Vorbereitungslehrgang teilgenommen haben und
  • die Prüfung mit einem Pferd ablegen, das mindestens fünf Jahre alt und entsprechend ausgebildet ist.

Für das Reitabzeichen selbst gibt es keine Altersbegrenzung. Es sei denn, Sie möchten das Abzeichen spezifisch für die Disziplinen Dressur, Springen oder Gelände machen. Dann müssen Sie mindestens 21 Jahre alt sein.

Die Prüfung beinhaltet praktische und theoretische Teilprüfungen. Um zu bestehen, müssen Sie bei jeder Teilprüfung mindestens die Wertung 5,0 und als Durchschnittsnote insgesamt mindestens eine 6,0 erreichen. Klappt das nicht, müssen Sie mindestens drei Monate abwarten, bevor Sie die Prüfung wiederholen können.

Die weiteren Abzeichen bauen dann darauf auf. Das heißt: Sie müssen die einzelnen Abzeichen von RA 5 bis RA 1 nacheinander ablegen. Die Voraussetzungen bleiben gleich. Nur brauchen Sie für das RA 4 eben das Abzeichen 5, für das Reitabzeichen der Stufe 3 müssen Sie das RA 4 erfolgreich abgelegt haben und so weiter.

Ausführliche Informationen zu den Reitabzeichen und den Inhalten der praktischen und theoretischen Prüfungen finden Sie auf der Webseite der FN. Dort können Sie sich auch Broschüren herunterladen oder zuschicken lassen. Außerdem können Sie sich auf der Webseite Videos zu den einzelnen Reitabzeichen anschauen.

Wo kann ich ein Reitabzeichen machen?

Die Lehrgänge für die Reitabzeichen bieten Reit- und Pferdesportvereine, Pferdehöfe, Reitschulen und ähnliche Betriebe an. Nach dem Lehrgang können Sie dort auch an der Prüfung teilnehmen.

Wann Lehrgänge und Prüfungen stattfinden, können Sie über den Pferdesportverband Ihres Bundeslandes herausfinden. Die Kontaktadressen finden Sie zum Beispiel im Pferde-Branchenbuch.

Was hat sich durch die neuen Reitabzeichen geändert?

Durch das neue Abzeichensystem haben sich zum einen die Namen geändert. So gibt es zum Beispiel das „Steckenpferd“, das „Große Hufeisen“ oder das Silberne Reitabzeichen nicht mehr. Stattdessen sind die Reitabzeichen jetzt neutral und übersichtlich durchnummeriert.

Zum anderen wurden die Anforderungen leicht verändert. Die Bodenarbeit beispielsweise, die früher oft etwas belächelt wurde, ist zu einem festen Bestandteil der Prüfungen geworden. Schließlich hat sie einen entscheidenden Anteil am artgerechten Umgang mit dem Pferd und einer funktionieren Kommunikation zwischen Pferd und Mensch. Und sie trägt zur Sicherheit in den Stallgassen bei.

Auch die Altersbeschränkungen, die früher bei einigen Abzeichen galten, wurden abgeschafft. Dadurch stehen alle Reitabzeichen allen Reitern offen, unabhängig vom Alter. Selbst wenn Sie erst als Erwachsener mit dem Reiten angefangen haben, können Sie deshalb schon nach recht kurzer Zeit Ihr erstes Abzeichen erwerben.

Bleiben meine alten Reitabzeichen gültig?

Besitzen Sie bereits Reitabzeichen aus der Zeit vor 2014, bleiben diese selbstverständlich gültig. Möchten Sie weitermachen, legen Sie das Reitabzeichen ab, das nach dem neuen System auf Ihr Abzeichen folgt. Dabei sind die Entsprechungen so:

Grafik zu Prüfungsfragen Reitabzeichen
Wie Sie an der Grafik sehen, hat die FN die Abzeichen in den Stufen 8, 6, 3 und 1 neu eingeführt. Haben Sie zum Beispiel das alte Reitabzeichen DRA Kl. III, entspricht das nach dem neuen System dem RA 4. Um das frühere DRA Kl. II zu erreichen, können Sie dann nicht direkt die Prüfung für RA 2 ablegen, sondern müssen zunächst RA 3 machen.

Muss ich Prüfungsfragen beim Reitabzeichen beantworten?

Die Prüfungen für die Reitabzeichen setzen sich aus mehreren Teilprüfungen zusammen. Dazu gehören praktische Prüfungsteile und auch theoretische Teilprüfungen. Und während im Praxisteil Übungen auf dem Programm stehen, müssen Sie im Theorieteil Prüfungsfragen beantworten.

Die Prüfungsfragen beim Reitabzeichen lösen Sie aber nicht schriftlich. Stattdessen beantworten Sie diese im Gespräch mit dem Prüfer.

Die Theorieprüfung in der früheren Form gibt es dabei allerdings nicht mehr. Es findet also keine klassische Fragerunde mehr statt. Vielmehr gibt es nun die sogenannten Stationsprüfungen. Auch hier geht es zwar um theoretisches Wissen. Aber der Prüfer fragt Sie nicht einfach nur, wie Sie zum Beispiel Ihr Pferd für einen Ausritt vorbereiten. Stattdessen fordert er Sie dazu auf, ihm die Abläufe praktisch zu zeigen und zu erklären.

Das veränderte Abzeichensystem möchte die Praxis und den Umgang mit dem Pferd in den Vordergrund stellen. Deshalb geht es nicht mehr nur darum, dass Sie die Inhalte auswendig lernen und beim Beantworten der Prüfungsfragen zum Reitabzeichen aufsagen. Stattdessen zählt die praktische Anwendung Ihres Wissens.

Welche Ausrüstung brauche ich für die Prüfung?

Für die Teilnahme an der Prüfung brauchen Sie eine fachgerechte Reitausrüstung, die den Sicherheitsanforderungen entspricht. Sie besteht aus einem Reithelm, Handschuhen, Reitstiefeln oder knöchelhohen Schuhen, einer Hose und einem eng anliegenden Oberteil. Ab dem RA 5 sollten Sie die Prüfung im Turnieroutfit ablegen.

Wie schnell kann ich die Abzeichen machen?

Die Abzeichen in den Stufen 10 bis 6 sind nicht so schwer. Zwar sollten Sie sich auch hier genug Zeit nehmen, um die Übungen und die Prüfungsfragen für das jeweilige Reitabzeichen zu trainieren. Zeitliche Vorgaben gibt es aber nicht. Und bei einigen Anbietern können Sie Pakete buchen, durch die Sie nach den Lehrgängen die Prüfungen gleich für mehrere Abzeichen auf einmal ablegen können.

Ab der Stufe 5 werden die Prüfungen immer anspruchsvoller. Weil die Vorbereitung auf die nächste Stufe etwas dauert, müssen Sie hier zwischen jeder Prüfung mindestens drei Monate abwarten.

Das Lehrmaterial bekommen Sie beim Lehrgang von Ihrem Anbieter. Die FN bietet ebenfalls Literatur zur Vorbereitung auf die Reitabzeichen an. Außerdem gehört natürlich zur Vorbereitung, dass Sie mit Ihrem Pferd trainieren.

Kann ich ein Abzeichen, das ich schon habe, noch einmal wiederholen?

Wie jedes andere Sportabzeichen können Sie auch Ihre vorhandenen Reitabzeichen regelmäßig erneuern. Sie müssen also nicht unbedingt die nächst höhere Stufe anstreben, sondern können die Prüfung für Ihr aktuelles Reitabzeichen wiederholen. Schneiden Sie dabei gut oder sogar noch besser ab als beim letzten Mal, dokumentiert das Ihre umfangreichen Kenntnisse.

Welche Kosten fallen bei einem Reitabzeichen an?

Für ein Reitabzeichen fallen zunächst einmal die Kosten an, die der Anbieter in Rechnung stellt. Dazu gehören die Gebühren für den Lehrgang, der theoretischen Unterricht und Reitstunden umfasst. Das Lehrmaterial und die Nutzung der Anlage sind im Preis enthalten. Je nachdem, ob Sie Ihr eigenes Pferd mitbringen und vor Ort übernachten, fallen die Gebühren unterschiedlich aus. Gleiches gilt, wenn Sie zusätzliche Reitstunden nehmen.

Dazu kommt die Lizenzgebühr der FN. Sie beträgt einen Euro pro Abzeichen. Der Landespferdesportverband erhebt Gebühren für die Verwaltung, die Erfassung Ihrer Daten, das Ausfertigen der Urkunde und Ihr Abzeichen als Anstecker.

Je nach Anbieter und Landesverband fallen die Kosten unterschiedlich hoch aus. Mit Kosten ab etwa 150 Euro für den Lehrgang und die Prüfung sollten Sie aber rechnen.