Prüfungsfragen Rettungssanitäter: 20 Aufgaben mit Lösungen

Aktualisiert am 5. November 2026 von Redaktion

Anders als bei einer Kammerprüfung gibt es für Rettungssanitäter keinen bundesweiten Fragenkatalog, denn die Prüfung regelt jedes Land selbst. Hier üben Sie deshalb mit 20 eigenen Aufgaben samt Lösungen und Erklärung, online als Test oder ausgedruckt als PDF. Darunter stehen zwei Fallbeispiele für den praktischen Teil und die Prüfungsregeln von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern.

Welche Fragen in der Prüfung vorkommen

Geprüft wird der Stoff der Ausbildung: allgemeine und spezielle Notfallmedizin, Anatomie und Physiologie, Recht und Technik im Rettungsdienst sowie das Vorgehen nach dem xABCDE-Schema. Der Test unten mischt diese Gebiete.

Alle Aufgaben mit Lösungen als PDF

Die Liste öffnet sich beim Klick in einer Druckansicht. Wählen Sie dort „Als PDF speichern“, dann haben Sie die Fragen mit Lösungen auf dem Handy oder auf Papier.

Fragen mit Lösungen hier lesen
  1. Wie tief drücken Sie den Brustkorb eines Erwachsenen bei der Reanimation ein?
    1. 3 bis 4 cm
    2. 4 bis 5 cm
    3. 5 bis 6 cm
    4. 7 bis 8 cm

    Lösung c. Vorgegeben sind 5 bis 6 cm, bei vollständiger Entlastung nach jeder Kompression.

  2. Welche Kompressionsfrequenz gilt beim Erwachsenen?
    1. 60 bis 80 pro Minute
    2. 80 bis 100 pro Minute
    3. 100 bis 120 pro Minute
    4. 130 bis 150 pro Minute

    Lösung c. Die Leitlinien nennen 100 bis 120 Kompressionen pro Minute.

  3. Welches Verhältnis gilt bei der Reanimation Erwachsener ohne gesicherten Atemweg?
    1. 15 zu 1
    2. 15 zu 2
    3. 30 zu 1
    4. 30 zu 2

    Lösung d. 30 Kompressionen, dann 2 Beatmungen.

  4. Wofür steht das x im xABCDE-Schema?
    1. Unklare Vorerkrankung
    2. Kritische äußere Blutung
    3. Röntgen im Krankenhaus
    4. Beginn der Reanimation

    Lösung b. Lebensbedrohliche äußere Blutungen werden noch vor dem Atemweg versorgt.

  5. Eine Extremitätenblutung lässt sich mit direktem Druck nicht stillen. Was folgt?
    1. Bein hochlagern und abwarten
    2. Tourniquet anlegen
    3. Wunde mit Wasser spülen
    4. Fremdkörper entfernen

    Lösung b. Reicht direkter Druck nicht, stoppt ein Tourniquet die lebensbedrohliche Blutung an der Extremität.

  6. Wofür steht das T im FAST-Test beim Verdacht auf Schlaganfall?
    1. Temperatur
    2. Therapie
    3. Time, also Zeit
    4. Tonus

    Lösung c. Face, Arms, Speech, Time: Bei Auffälligkeiten zählt der schnelle Transport in eine geeignete Klinik.

  7. Welche Atemfrequenz ist bei einem Erwachsenen in Ruhe normal?
    1. 4 bis 8 pro Minute
    2. 12 bis 20 pro Minute
    3. 25 bis 30 pro Minute
    4. 35 bis 40 pro Minute

    Lösung b. In der Ruhe liegen Erwachsene bei etwa 12 bis 20 Atemzügen pro Minute.

  8. Welche Zeichen passen zum akuten Asthmaanfall? Mehrere Antworten sind richtig.
    1. Verlängerte Ausatmung
    2. Inspiratorischer Stridor
    3. Giemen beim Ausatmen
    4. Sitzen mit aufgestützten Armen

    Lösung a, c, d. Asthma behindert vor allem die Ausatmung. Ein inspiratorischer Stridor spricht eher für ein Hindernis in den oberen Atemwegen.

  9. Ein bewusstloser Diabetiker hat einen sehr niedrigen Blutzucker. Was ist falsch?
    1. Blutzucker dokumentieren
    2. Vitalwerte überwachen
    3. Traubenzucker in den Mund geben
    4. Notarzt nachfordern

    Lösung c. Bewusstlose können nicht sicher schlucken, es droht eine Aspiration.

  10. Was kann bei einem insulinpflichtigen Patienten eine Hypoglykämie auslösen? Mehrere Antworten sind richtig.
    1. Glukagon-Gabe
    2. Starke Belastung beim Sport
    3. Zu wenig Insulin
    4. Zu viel Insulin

    Lösung b, d. Sport senkt den Blutzucker, zu viel Insulin ebenso. Zu wenig Insulin führt zu hohen Werten, Glukagon hebt den Blutzucker.

  11. Rechtes Bein vorne und hinten sowie die rechte Handinnenfläche sind verbrannt. Wie groß ist die Fläche nach Neuner-Regel und Handflächenregel ungefähr?
    1. 5 %
    2. 10 %
    3. 15 %
    4. 20 %

    Lösung d. Ein Bein zählt 18 %, die Handfläche etwa 1 %, zusammen rund 19 %.

  12. Welches Zeichen ist ein sicheres Frakturzeichen?
    1. Schmerz
    2. Schwellung
    3. Abnorme Beweglichkeit
    4. Eingeschränkte Bewegung

    Lösung c. Schmerz, Schwellung und Bewegungseinschränkung sind unsichere Zeichen. Abnorme Beweglichkeit gilt als sicher.

  13. Wer gehört in die stabile Seitenlage?
    1. Bewusstlose Person mit normaler Atmung
    2. Person ohne normale Atmung
    3. Wache Person mit Brustschmerz
    4. Person mit Atemnot im Sitzen

    Lösung a. Ohne normale Atmung beginnt die Reanimation. Wache Patienten mit Atemnot oder Brustschmerz lagern Sie nach Beschwerden.

  14. Welches Medikament ist bei der Anaphylaxie das Mittel der ersten Wahl?
    1. Paracetamol
    2. Adrenalin
    3. Glukose
    4. Sauerstoff als einzige Maßnahme

    Lösung b. Adrenalin ist das Mittel der ersten Wahl. Wer es geben darf, regelt Ihr Rettungsdienstbereich.

  15. Wann wenden Sie den Rautekgriff an?
    1. Beim Anlegen eines Druckverbands
    2. Vor einem Luftröhrenschnitt
    3. Beim Abziehen des Motorradhelms
    4. Beim Bergen aus einem Fahrzeug oder einer Gefahrenzone

    Lösung d. Mit dem Griff ziehen Sie eine Person aus einem Fahrzeug oder einer Gefahrenzone.

  16. Ein Kleinkind hat Spülmittel getrunken. Was sollten Sie nicht tun?
    1. Reste aus dem Mund entfernen
    2. Das Kind beruhigen
    3. Das Kind aufsetzen
    4. Erbrechen auslösen

    Lösung d. Spülmittel schäumt. Schaum kann beim Erbrechen in die Lunge gelangen.

  17. Welche Schilderung spricht am deutlichsten für einen Riss der Achillessehne?
    1. Fuß um fast 90 Grad verdreht
    2. Beim Aufkommen umgeknickt
    3. Knall wie ein Peitschenhieb
    4. Blau verfärbte Zehen

    Lösung c. Der hörbare Knall ist ein typisches Zeichen.

  18. Wie verhalten Sie sich bei einem epileptischen Anfall?
    1. Gefährliche Gegenstände entfernen
    2. Patient festhalten
    3. Mittel sofort spritzen
    4. Patient anschreien

    Lösung a. Schützen Sie vor Verletzungen. Festhalten kann Patient und Helfer verletzen.

  19. Welches Gelenk ist ein Kugelgelenk?
    1. Handgelenk
    2. Schultergelenk
    3. Daumengrundgelenk
    4. Kniegelenk

    Lösung b. Das Schultergelenk erlaubt Bewegung in alle Richtungen.

  20. Wie lautet der Fachbegriff für „vom Rumpf entfernt gelegen“?
    1. distal
    2. proximal
    3. viszeral
    4. parietal

    Lösung a. Distal ist vom Rumpf entfernt, proximal rumpfnah.

So ist die Prüfung aufgebaut

Die Ausbildung umfasst mindestens 520 Stunden und endet mit einem Abschlusslehrgang von 40 Unterrichtseinheiten. Was danach geprüft wird, unterscheidet sich je nach Land. Prüfen Sie deshalb die Verordnung Ihres Landes und fragen Sie Ihre Schule, welche Aufgabentypen sie einsetzt.

Punkt Nordrhein-Westfalen Niedersachsen Bayern
Teile schriftlich, fachpraktisch mit Fachgespräch schriftlich, fachpraktisch mit Fachgespräch schriftlich, praktisch, mündlich
Schriftlich 120 Minuten, höchstens 50 Prozent Multiple Choice 120 Minuten, höchstens 50 Prozent Multiple Choice 120 Minuten
Praktisch zwei Fallbeispiele: Notfall sowie Herzkreislaufstillstand, je 20 bis 45 Minuten mit Fachgespräch zwei Fallbeispiele: Krankentransport oder Notfall sowie Herzkreislaufstillstand drei Fälle: Notfall, Reanimation mit AED, Transport
Mündlich keine eigene Prüfung keine eigene Prüfung etwa 15 Minuten je Person
Bestanden jeder Teil und jedes Fallbeispiel mindestens „ausreichend“ schriftlich und in jedem praktischen Abschnitt Mittelwert 4,4 oder besser jeder Teil und jeder praktische Abschnitt mindestens Note 4
Wiederholung einmal je Teil, innerhalb von 12 Monaten einmal je Teil, Antrag innerhalb eines Jahres einmal, Zusatzausbildung nach Festlegung des Vorsitzes

In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen darf höchstens die Hälfte der schriftlichen Prüfung aus Multiple Choice bestehen. Lernen Sie also nicht nur Ankreuzfragen, sondern üben Sie, Antworten in eigenen Sätzen zu begründen. Bayern verlangt zusätzlich ein mündliches Prüfungsgespräch. Für die übrigen Länder gilt die jeweilige Landesverordnung; fragen Sie Ihre Schule nach dem aktuellen Stand.

Zwei Fallbeispiele für den praktischen Teil

Im praktischen Teil zählt, dass Sie strukturiert vorgehen und Ihr Handeln begründen können. Sprechen Sie die Fälle laut durch, am besten zu zweit. Maßgeblich bleiben die Vorgaben Ihrer Schule und Ihres Rettungsdienstbereichs.

Fall 1: Mann, 62, leblos im Wohnzimmer

Die Ehefrau öffnet. Der Mann reagiert nicht und atmet nicht normal.

Lösungsweg anzeigen
  1. Eigenschutz prüfen, Patient auf harten Untergrund bringen.
  2. Keine normale Atmung: Reanimation beginnen und Notarzt nachfordern.
  3. Rollen im Team verteilen: Kompressionen, Atemweg, Defibrillator.
  4. Defibrillator anschließen und seinen Anweisungen folgen, Pausen der Kompressionen kurz halten.
  5. Im Fachgespräch begründen: Warum haben Sie begonnen, und wie haben Sie die Qualität gesichert?

Fall 2: Frau, 68, Atemnot und Druck auf der Brust

Die Patientin sitzt blass am Küchentisch und ist wach.

Lösungsweg anzeigen
Schritt Vorgehen
x keine äußere Blutung erkennbar
A Atemweg frei, sie spricht
B Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung messen, Lunge abhören
C Puls, Blutdruck, Hautfarbe, EKG nach Vorgabe
D Bewusstsein, Blutzucker
E orientierend untersuchen, Wärme erhalten

Erfragen Sie Vorerkrankungen, Medikamente und den Beginn der Beschwerden. Lagern Sie nach Beschwerden mit erhöhtem Oberkörper, fordern Sie den Notarzt nach und übergeben Sie strukturiert.

Lernplan für den Abschlusslehrgang

Wer nach dem Praktikum in den Abschlusslehrgang geht, hat wenige Tage für viel Stoff. Teilen Sie die Zeit deshalb in drei Blöcke: Bearbeiten Sie zuerst alle 20 Aufgaben und markieren Sie Fehler. Wiederholen Sie dann nur die markierten Gebiete und sprechen Sie je einen Fall pro Tag durch. Klären Sie früh, welche Teile Ihr Land prüft. Mehr dazu steht in der Checkliste zur Lernplanung.

Rettungshelfer, Betriebssanitäter, Notfallsanitäter

Rettungshelfer- und Betriebssanitäter-Lehrgänge sind kürzer als die Rettungssanitäter-Ausbildung und enden je nach Träger mit einer eigenen Prüfung. Die Aufgaben zu Reanimation und xABCDE helfen dort ebenfalls. Der Notfallsanitäter ist eine dreijährige Berufsausbildung nach dem Notfallsanitätergesetz. Wie diese staatliche Prüfung aufgebaut ist, zeigt eine eigene Seite. Den Beruf Rettungsassistent gibt es seit dem Gesetz nicht mehr als neue Ausbildung.

Quellen: RettAPrVO NRW, §§ 2, 10, 11, 15, 16; APVO-RettSan Niedersachsen, §§ 2, 14, 15, 18; BayRettSanV, §§ 2, 7, 11, 12. Die Werte zur Reanimation folgen den ERC-Leitlinien 2021; gleichen Sie sie mit der Fassung 2025 ab, die Ihre Schule unterrichtet. Abruf 05.11.2026. Alle Aufgaben sind eigene Übungsaufgaben, keine Originalprüfung. Maßgeblich sind Ihre Ausbildungsunterlagen.

Redaktionell geprüft. Stand 05.11.2026. Änderungsprotokoll: 05.11.2026 Seite neu geschrieben, 20 Aufgaben als Test und Druckfassung mit Erklärungen, Prüfungsregeln NRW, Niedersachsen und Bayern, zwei Fallbeispiele neu; vier frühere Aufgaben ersetzt.

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Herausgeberin

Selda Bekar

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