Tipps und Tricks zum Umgang mit Prüfungsangst

Eine Vertrauensbasis zwischen Prüfling und Ozent kann helfen, Prüfungsangst zu bannen.

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!? Das kann bei vielen Situationen zutreffen, aber leider passt es nicht 1:1 bei Prüfungsangst. Was aber in jedem Fall stimmt, ist die Tatsache, dass diejenigen, die ihre Prüfungsangst als solche erkennen, auch die Möglichkeit haben, den richtigen Umgang mit Prüfungsangst zu erlernen. Neben Tipps und Tricks dazu soll in diesem Artikel auch ein kleiner Exkurs auf die andere Seite der Prüfung gemacht werden, denn auch Prüfer sollten ein umsichtiges Verhalten an den Tag legen, wenn ein Prüfling unter Prüfungsangst leidet.

Nachdem Prüfungsangst zu drei Zeitpunkten auftreten kann, bedarf es auch speziell zu diesen drei Zeitpunkten Tipps und Tricks zum Umgang mit Prüfungsangst:

Phase 1: Vor der Prüfung

Auch wenn es abgedroschen klingt, ist Folgendes doch die beste Medizin: lernen, lernen, lernen. Denn wer gut vorbereitet ist, kann leichter die Sorgen um eine verpatzte Prüfung vom Tisch wischen. Um gut vorbereitet in eine Prüfung zu gehen, muss der Lernstoff bewusst geplant werden. Wer sich mächtig große Berge an Lernstoff vernünftig einteilt und auch Phasen zur Wiederholung und Übung einplant, der minimiert das Risiko kurz vor der Prüfung in Stress zu verfallen. Dabei ist die richtige Lerntechnik entscheidend – aber auch das Lernumfeld. Eine durchdachte Tagesstruktur hilft, Anforderungen zu meistern. Wer seine Lern-Hochphasen kennt sollte sich genau zu diesen Zeiten neue Inhalte aneignen. Auch ausreichend Pausen, die mit gesundem Essen, Sport oder einer Entspannungsübung sinnvoll genutzt werden, helfen, den Prüfungsmarathon zu überstehen.

Zwischendurch eine Lernpause einzulegen ist sinnvoll, aber sich vorm Lernen zu drücken, ist keine sinnvolle Prüfungsvorbereitung.
Zwischendurch eine Lernpause einzulegen ist sinnvoll, aber sich vorm Lernen zu drücken, ist keine sinnvolle Prüfungsvorbereitung.

Bereits im Vorfeld aufflammende Prüfungsangst mit Entspannungsübungen zu lindern ist gleich doppelt sinnvoll, denn zunächst wirkt das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung bereits, um langsam auftretende Prüfungsangst zu lindern und zudem ist es eine gute Übung, um während der Prüfung selbst ein paar entspannende Atemübungen anzuwenden, anstatt vor dem weißen Blatt zu hyperventilieren.

Tipp zum Umgang mit Prüfungsangst: Achten Sie während der Prüfungsvorbereitung auch darauf, sich nicht nur inhaltlich vorzubereiten, sondern auch die Prüfungsart zu trainieren: Steht eine mündliche Prüfung an, müssen Formulierungen trainiert werden, aber auch der offene Vertrag steht auf dem Übungsplan. Steht eine schriftliche Prüfung an, kann die schriftliche Ausarbeitung eines Themas eine gute Vorbereitung zum Umgang mit Prüfungsangst sein.

Phase 2: Während der Prüfung

Gehen wir einmal davon aus, dass Sie sich bis zum Prüfungstisch vorgearbeitet haben und nicht schon vor der Tür kehrt gemacht haben. Sie sitzen also in der Prüfung, beginnen vielleicht sogar schon mit der Durchsicht oder gar der Beantwortung der Fragen, doch plötzlich reißt der Gedanke ab. Wenn Sie Ihren Gedankenfaden nicht mehr aufnehmen können, spricht man rein wissenschaftliche betrachtet von einer „reversiblen, funktionellen Gedächtnisstörung“, die besser bekannt ist als „Blackout“. Nun ist es wichtig, die im Vorfeld trainierten Entspannungsübungen auch umzusetzen. Eine selbstbewusste Haltung, ein tiefer Atemzug und ruhige Gedankengänge an die erfolgreiche Prüfungsvorbereitung sind nun der richtige Umgang mit Prüfungsangst – und auch der einzige Weg, den Blackout zu überwinden.

Tipp zum Umgang mit Prüfungsangst: Oft ist der Tag vor der Prüfung entscheidend für den Prüfungstag. Wer panisch noch versucht, Lernstoff buchstäblich aufzusaugen, wird diesen ohnehin nicht behalten, daher empfiehlt es sich, bisher Gelerntes noch einmal zu wiederholen oder alternativ einen Tag „Kopf-frei“ zu nehmen. Der Prüfungstag selbst sollte ausgeruht und mit einem gesunden, kraftspendenden Frühstück beginnen.

Phase 3: Nach der Prüfung

Erstmal soll es heißen: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben die Prüfung hinter sich gebracht. Und nun besinnen Sie sich darauf, dass es nun auch keinen Sinn mehr macht, sich auszumalen, was ein totales Versagen bedeuten würde, denn die Würfel sind im Grunde genommen gefallen. Viel wichtiger ist es nun, wieder zurück in das Leben vor der Prüfung zu finden. Zeit für private Unternehmungen oder die vernachlässigte Hausarbeit bringen einen dabei schnell zurück ins „normale Leben“.

Tipp zum Umgang mit Prüfungsangst: Was-wäre-wenn zu spielen, ist Unsinn, denn erst wenn die Ergebnisse der Prüfung vorliegen, können Sie weiter planen. Das heißt aber nicht, bis dahin nicht weiter leben zu können, denn das sollten sie in jedem Fall. Besonders gut tut es übrigens, wenn alle Unterlagen, die mit der Prüfung in Zusammenhang stehen (Mindmaps, Karteikarten, …) erstmal weggeräumt werden. Das hilft gedanklich das Thema ad acta zu legen.

Exkurs: Der richtige Umgang mit Prüfungsangst – was können Prüfer eigentlich tun?

Um Klarheit zu schaffen, was einen Prüfling bei einer Prüfung erwartet, kann es hilfreich sein, schriftlich oder mündlich zu informieren. Die folgenden Informationen sind dabei entscheidend:

    • Prüfungsformat
    • Prüfungsvoraussetzungen
    • Themen, Prüfungsliteratur
    • Prüfungsablauf
    • Beispielfragen, Musterlösungen
    • Bewertungskriterien

FAQ

Darüber hinaus kann es helfen, ein offenes Gespräch mit dem Prüfling zu führen. Verständnis zu zeigen und Hilfsangebote zu formulieren kann dabei nicht nur inhaltlich wertvoll sein, sondern auch dazu beitragen, das Ansehen von „Schreckgespenst Prüfer“ zu verbessern.

Rein inhaltlich sind bei einer mündlichen Prüfung selbst gewählte Einstiegsthemen sehr angenehm, denn darauf kann man sich gut vorbereiten und dabei auch „warmreden“. Während der Prüfung sollte eine angenehme Atmosphäre kreiert werden: Ein gut gelüfteter, hell erleuchteter Raum, eine freundliche Frage nach dem Befinden des Prüflings und eine offene Mimik helfen ebenfalls dabei, „Schreckgespenst Prüfer“ aus dem Kopf zu verbannen.

Kristallisiert sich ein Blackout heraus, ist es wichtig als Prüfer zu signalisieren, dass eine verpatzte Frage nicht das Aus in der Prüfung bedeutet. Eine umformulierte Frage, ein Einhaken beim roten Faden und eine kleine Verschnaufpause können dann Wunder wirken.

Bildnachweis: Kzenon/fotolia.com, Robert Kneschke/fotolia.com